Datenschätze mit großem Wert für die Gesellschaft: Forschungsdaten systematisch erschließen und nutzbar machen

GWK fördert drei Konsortien im Rahmen der Initiative „Nationale Forschungsdateninfrastruktur“, an denen die TIB als Mitantragssteller beteiligt ist

Forschungsdaten sind wahre Datenschätze – eine wertvolle Ressource für Wissenschaft und Forschung. Damit dieses große Potenzial auch nutzbar ist, müssen die Daten öffentlich zugänglich und systematisch erschlossen sein. Dieses Ziel hat die geplante Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI).

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat nun am 26. Juni 2020 über die Förderung der Fachkonsortien der ersten Auswahlrunde der NFDI entschieden: Die TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften ist an drei zur Förderung empfohlenen Konsortien beteiligt: dem Fachkonsortium Chemie (NFDI4Chem), dem Konsortium für Forschungsdaten zu materiellen und immateriellen Kulturgütern (NFDI4Culture) und der nationalen Forschungsdateninfrastruktur für die Ingenieurwissenschaften (NFDI4Ing). Die TIB ist von der ersten Stunde an maßgeblich an dem Aufbau der NFDI beteiligt. Die Förderung der Konsortien beginnt am 1. Oktober 2020 mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einer Verlängerungsoption um weitere fünf Jahre.

Vernetzung der einzelnen NFDI-Initiativen

„Die NFDI-Initiativen wollen eine gemeinsame Forschungsdateninfrastruktur für alle Wissenschaftsgebiete aufbauen. Da wir an der TIB bereits Dienste entwickeln und betreiben, die von verschiedenen Fachcommunities genutzt werden können, werden wir uns besonders bei der Interoperabilität und Vernetzung der Infrastrukturen der einzelnen Initiativen engagieren. Dabei werden die semantische Beschreibung und Vernetzung von Forschungsdaten mit Terminologien und Ontologien, der Open Research Knowledge Graph und auch persistente Identifikatoren sowie Langzeitarchivierung eine wichtige Rolle spielen“, freut sich TIB-Direktor Prof. Dr. Sören Auer über den Erfolg bei der Förderung.

Durch den Aufbau einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur sollen die bisher dezentral verteilten Datenbestände von Wissenschaft und Forschung zukünftig für das deutsche Wissenschaftssystem systematisch erschlossen und nutzbar gemacht werden. Damit sollen aus Forschungsdaten wissenschaftlich breit nutzbare Datenschätze mit Mehrwert für die Gesellschaft werden.

Forschungsdaten systematisch erschließen

Die Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) wurde, angeregt durch den Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII), von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) initiiert und wird von Bund und Ländern finanziert. Ziel der NFDI ist der Aufbau eines bundesweiten verteilten und dynamischen Netzwerkes von Infrastrukturen und Diensten für das Forschungsdatenmanagement des deutschen Wissenschaftssystems. Beim Aufbau der NFDI werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Anfang an mit ins Boot geholt, sie können ihre Bedarfe, Ideen, Wünsche und Anwendungsfälle formulieren und dabei eng mit den Infrastruktureinrichtungen, die die NFDI umsetzen, zusammenarbeiten. Dadurch werden existierende Strukturen und Dienste besser vernetzt und durch weitere Angebote ergänzt.

Die Förderung beläuft sich auf bis zu 90 Millionen Euro pro Jahr im Zeitraum 2019 bis 2028. Das Auswahlverfahren für Konsortien erstreckt sich über drei Runden in den Jahren 2019 bis 2021.

Das Fachkonsortium Chemie (NFDI4Chem) – www.nfdi4chem.de

Das Fachkonsortium Chemie (NFDI4Chem) besteht aus engagierten Datenproduzenten und -nutzern aus der universitären und außeruniversitären Forschung, Infrastruktureinrichtungen und Fachgesellschaften der Chemie. Das Konsortium wird gemeinsam von Dr. Oliver Koepler (TIB) und Prof. Dr. Christoph Steinbeck (Universität Jena) geleitet. Die Vision der  NFDI4Chem ist die Digitalisierung aller wichtigen Schritte in der chemischen Forschung, um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Erfassung,  Analyse, nachhaltigen Speicherung, Publikation und Nachnutzung von Forschungsdaten nach den FAIR-Datenprinzipien, nach denen wissenschaftlichen Daten auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar sein sollen zu unterstützen.

Das Konsortium für Forschungsdaten zu materiellen und immateriellen Kulturgütern (NFDI4Culture) – www.nfdi4culture.de

Ziel von NFDI4Culture ist der Aufbau einer bedarfsorientierten Infrastruktur für Forschungsdaten zu materiellen und immateriellen Kulturgütern in der NFDI. Dazu gehören 2D-Digitalisate von Gemälden, Fotografien und Zeichnungen ebenso wie digitale 3D-Modelle kulturhistorisch bedeutender Gebäude, Denkmäler oder audiovisuelle Daten von Musik-, Film und Bühnenaufführungen. Konzept und Struktur des Konsortiums wurden über zwei Jahre in einem offenen Prozess und in enger Zusammenarbeit zwischen elf Fachgesellschaften, neun Trägerinstitutionen und 52 Partnern entwickelt. Das Konsortium adressiert die Bedarfe eines breiten Spektrums an Fachdisziplinen von der Architektur-, Kunst-, Musik- bis hin zur Theater-, Tanz-, Film- und Medienwissenschaft. Die Architektin Prof. Dr. Ina Blümel (TIB) koordiniert den Beitrag der TIB, der unter anderem die Entwicklung einer Monitoring-Infrastruktur für den Workflow von Digitalisierung über Datenanreicherung, Bereitstellung und Nachnutzung (gemeinsam mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz) sowie die Implementierung des zentralen NFDI4Culture Knowledge Graph (gemeinsam mit dem FIZ Karlsruhe) umfasst.

Die nationale Forschungsdateninfrastruktur für die Ingenieurwissenschaften (NFDI4Ing) – www.nfdi4ing.de

NFDI4Ing hat zum Ziel, ein gemeinsames Umfeld für ein sicheres Management und die Nachnutzung ingenieur­wissenschaftlicher Forschungsdaten zu schaffen. Dazu wurden innerhalb eines Bottom-up-Prozesses sogenannte Archetypen definiert, welche die verwendeten Forschungsmethoden und -prozesse der ingenieur­wissenschaftlichen Teildisziplinen beschreiben. Innerhalb der NFDI4Ing übernimmt die TIB die Rolle eines Infrastruktur- und Forschungspartners und leitet zusammen mit dem Forschungszentrum Jülich im Bereich ‚umfangreiche & heterogene Datenanforderungen‘ einen Forschungsauftrag zur Entwicklung eines semantischen Rahmens für die maschinenlesbare Darstellung und Abbildung wissenschaftlicher Konzepten. Weiterhin koordiniert die TIB zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt, der RWTH Aachen, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der Leibniz Universität Hannover und der Universität Stuttgart die Bereitstellung von ‚Base Services‘ für das Konsortium; diese umfassen zum Beispiel die Entwicklung eines Terminology Service zur Verwaltung von Ontologien sowie die Entwicklung von Schulungskonzepten zum Forschungsdatenmanagement für Ingenieurinnen und Ingenieure.