Der Open Knowledge Research Graph – ein Forschungsbereich an der TIB

Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Sören Auer

Was ist eigentlich ein Wissensgraph, ein sogenannter Open Research Knowledge Graph (ORKG)? Und wie könnten Wissensgraphen die Forschung und die Wissenschaftskommunikation in Zukunft verändern? Fragen wie diese standen am 20. Mai 2019 im Mittelpunkt der offiziellen Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Sören Auer, Direktor der TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Professor für Data Science and Digital Libraries an der Leibniz Universität Hannover.

Nach einer kurzen Vorstellung Auers und seiner beruflichen Biographie durch Prof. Dr.-Ing. Jörn Ostermann vom Institut für Informationsverarbeitung der Leibniz Universität sprach Auer unter dem Titel „Towards Knowledge Graph based Representation, Augmentation and Exploration of Scholarly Communication“ über seine Idee von Wissensgraphen und zeigte, wie diese die Wissenschaftskommunikation revolutionieren könnten.

Informationsflüsse in der digitalen Ära

Auer zeigte anschaulich, wie sich Informationsflüsse in der digitalen Ära verändert haben: Vor 20 Jahren gehörten Stadtpläne aus Papier, gedruckte Telefonbücher und klassische Versandkataloge noch zu unserem Alltag, inzwischen sind sie von Navigationssystemen, Internet-Suchmaschinen und Online-Handel abgelöst worden. In der Wissenschaftskommunikation sei laut Auer in den vergangenen Jahren dagegen wenig passiert. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler publizierten ihre Forschungsergebnisse oftmals wie vor 20 Jahren: als gedruckte Veröffentlichung, vielleicht mit einer zusätzlichen digitalen Version, die Open Access verfügbar, also frei zugänglich, ist. Das Problem: Diese Dokumente lassen sich nur schwer teilen und sind nicht maschinenlesbar.

Entwicklung zu wissensbasierten Informationsflüssen

Mit einem Wissensgraphen jedoch lassen sich Informationen digital vernetzen. Der Wissensaustausch in Wissenschaft und Forschung würde sich damit von dem derzeitigen dokumentenzentrierten Wissensaustausch hin zu wissensbasierten Informationsflüssen entwickeln. Wissensgraphen können einen neuen Wissenszugriff ermöglichen, das Wissen würde anders vernetzt und zueinander in Beziehung gesetzt, sodass ganz neue Aspekte sichtbar werden könnten, erklärte Auer. Und genau daran arbeitet Auer mit seinem Team. Den aktuellen Forschungstand präsentiert die TIB unter projects.tib.eu/orkg/.  

Am Ende seines einstündigen Vortrags stellte Auer seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor, die mit ihm an dem Open Research Knowledge Graph arbeiten. Für seine Forschungsarbeit „SCIENCEGraph – Knowledge Graph based Representation, Augmentation and Exploration of Scholarly Communication“ erhielt Auer Ende 2018 den renommierten ERC Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrates (ERC). Ab Mai 2019 stehen Auer und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern damit für die kommenden fünf Jahre Fördermittel in Höhe von zwei Millionen Euro zur Verfügung. Das Projekt ist am Leibniz Joint Lab Data Science & Open Knowledge angesiedelt, das die TIB und das Forschungszentrum L3S gemeinsam betreiben.