Graue Literatur – eine wertvolle Informationsquelle für Wissenschaft und Forschung

21. International Conference on Grey Literature: Fachleute diskutieren in Hannover über graue Literatur

Welchen Einfluss hat die Open-Access-Bewegung auf graue Literatur und welche neuen Formen grauer Literatur entstehen durch Open Access? Diese und weitere Fragen standen bei der 21. International Conference of Grey Literature (GL21) am 22. und 23. Oktober 2019 in Hannover unter dem Motto „Open Science Encompasses New Forms of Grey Literature“ im Mittelpunkt. Mehr als 50 internationale Expertinnen und Experten diskutierten zwei Tage lang auf der von der TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften organisierten Konferenz über graue Literatur – also Publikationen, die nicht im Buchhandel erhältlich sind und damit oft schwer beschaffbar sind. Graue Literatur beinhaltet wertvolles Wissen und ist eine wichtige Informationsquelle für Wissenschaft und Forschung. Sie kommt in vielen verschiedenen Formen vor, das können beispielsweise Konferenz- und Forschungsberichte sein, aber auch Hochschulschriften, Patentschriften und Normen.

Book Sprints als kollaborative Form der Wissensproduktion

Nach der Begrüßung durch TIB-Direktor Prof. Dr. Sören Auer machte Barbara Rühling, Geschäftsführerin von Book Sprints, mit der Keynote „Unbreaking our Knowledge Sharing Workflows“ den Auftakt der GL21.

Bei einem Book Sprint schreiben mehrere Expertinnen und Experten gemeinschaftlich innerhalb weniger Tage ein Buch zu einem Thema. Inhaltlich befassen sich die Book Sprints laut Rühling, die selbst viele Book Sprints geleitet hat, häufig mit „Nischenthemen oder sehr komplexen Themen, für die sich so leicht kein Verlag findet“. Die so entstandenen Bücher – eine relativ junge Form grauer Literatur – werden dann meist in Eigenregie gedruckt oder online zum Download bereitgestellt. Book Sprints als kollaborative Form der Wissensproduktion seien eine gute Form, in kurzer Zeit ein Buch zu schreiben. „Book Sprints entstehen in schnellen Prozessen, Verlage brauchen weitaus länger“, so Rühling.

In den insgesamt 15 Vorträgen der zweitägigen Konferenz ging es unter anderem um Digitalisierung und digitale Transformation und ihren Einfluss auf graue Literatur, die Anwendung von Open-Science-Prinzipien für graue Literatur, Lösungen für die Herausforderungen bei Open Access sowie freie Schulungsmaterialien für Bibliotheken und Informationswissenschaft. Die TIB stellte das Projekt ConfIDent vor, das zum Ziel hat eine Konferenzplattform zu entwickeln, auf der die Metadaten wissenschaftlicher Veranstaltungen dauerhaft zugänglich gemacht und durch automatisierte Prozesse sowie fachwissenschaftliche Kuratierung in möglichst hoher Qualität zur Verfügung gestellt werden.

Die Session „The Open Science Publishing Flood and Collaborative Authoring“ brachte Nutzerinnen und Nutzer mit Herstellern von Plattformen beziehungsweise Online-Tools zusammen. Es wurden  Potenziale von Plattformen oder Tools wie beispielsweise GitHub Jupyter oder Etherpad vorgestellt sowie Bedarfe identifiziert, die die Nutzenden bei ihrer täglichen Arbeit haben – etwa bei Open-Access-Veröffentlichungen oder beim kollaborativen Arbeiten –, die derzeit noch nicht erfüllt sind.

Neben den Vorträgen gab es außerdem eine Poster-Session. Der für das beste Poster ausgelobte „Conference Poster Prize“ ging in diesem Jahr an das Poster „E-LIS between old and new forms of Grey Literature“ von Antonella De Robbio, Imma Subirats, Alfredo Cosco (all E-LIS ePrints for Library and Information Science), Christian Vidal-Cabo and Fernanda Peset (Polytechnic University of Valencia, Spain).

Die 22. International Conference on Grey Literature findet am 19. und 20. November 2020 im Italian National Research Council in Rom statt.