Im Interview: Drei Fragen an Prof. Dr. Ralph Ewerth

Prof. Dr. Ralph Ewerth spricht in unserem Interview über seine Forschung an der TIB, zukünftige Forschungsthemen und seine bisherigen beruflichen Stationen.

Herr Prof. Dr. Ewerth, seit Anfang November haben Sie eine Professur an der Leibniz Universität Hannover und leiten an der TIB die Forschungsgruppe „Visual Analytics“. Berichten Sie uns kurz, was genau Sie an der TIB machen?

Die neu geschaffene Professur im Bereich Visual Analytics dient dem Ziel, die vorhandenen Forschungsaktivitäten der TIB weiter zu stärken und auszubauen. Die Ausrichtung Visual Analytics ist ein Gebiet, das spannende Forschungsfragen im Kontext von digitalen Bibliotheken und Medienarchiven beinhaltet. Die grundlegende Frage ist, wie wir in großen und oftmals multimedialen Datenbeständen relevante Informationen finden können. Mit meiner Arbeitsgruppe adressiere ich hierzu Themen wie die automatische Erschließung von Mediendaten, neue Repräsentationen und Visualisierungsformen für große Datenbestände, interaktive Suche sowie Usability-Fragen. Zudem halte ich Vorlesungen an der Leibniz Universität Hannover zu den Themen Visual Analytics und Multimedia Retrieval, zum Beispiel im Masterstudiengang Informatik.

Welchen Forschungsthemen sollte sich die TIB in den kommenden Jahren verstärkt widmen, wo sehen Sie großes Potenzial?

Die heutzutage in großer Menge vorhandenen Daten unterschiedlichster Art können in der Regel nicht manuell erschlossen werden. Die automatische Erschließung großer, oftmals spezieller Datenbestände von nicht-textuellen Materialien ist jedoch ein schwieriges Problem, das neue adaptive Lernverfahren erfordert. Häufig passen zum Beispiel erlernte Modelle nicht optimal zu den Daten, die zu einem späteren Zeitpunkt in das System importiert werden. Ein weiteres Thema ist, wie multimediale Forschungsdaten, Patente und Forschungssoftware archiviert und durchsuchbar gemacht werden können. Schließlich ist eine wichtige Frage, wie Daten optimal und bestenfalls personalisiert aufbereitet und visualisiert werden können, um Nutzerinnen und Nutzer bestmöglich bei einer Suche nach Informationen zu unterstützen. Die Frage ist auch: Wie sollte das Interface von morgen für ein Bibliotheksportal aussehen, wie navigieren wir am besten darin, mit Tastatur und Maus, mit Sprache und Gesten oder auf eine ganz andere Art?

Zuletzt zu Ihrem beruflichen Werdegang: Sie haben Informatik an den Universitäten Frankfurt am Main und Marburg studiert. Welche beruflichen Stationen kamen danach?

Nach meinem Diplom habe ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Siegen und Marburg gearbeitet. Meine Promotion an der Philipps-Universität Marburg habe ich im Jahr 2008 abgeschlossen und leitete dann dort den Forschungsbereich Multimedia Computing am Lehrstuhl Verteilte Systeme. Im Jahr 2012 folgte ich einem Ruf an die Ernst-Abbe-Hochschule Jena und war dort als Professor für Bildverarbeitung und Medientechnik tätig, zuletzt auch als Prodekan des Fachbereichs Elektrotechnik und Informationstechnik. Seit November bin ich nun an der TIB und freue mich auf meine neuen Aufgaben.