Kann die Privatwirtschaft vom Kontrollsystem der Bundesbeteiligungen lernen? (Deutsch)

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Vorgänge in der Privatwirtschaft geben Anlaß dazu, die häufigen Äußerungen bezüglich der Ineffizienz der Staatsunternehmen und der Effizienz der Privatunternehmen neu zu überdenken. In den 1970er Jahren haben die zuständigen Abteilungen im Bundesfinanzministerium häufig negative Erfahrungen mit der Diversifikationspolitik der Industriekonzerne mit Bundesbeteiligung gesammelt. Sie nahmen die Erfahrungen vorweg, die einigen Vorständen und Aufsichtsräten in der Privatwirtschaft in den 1980er Jahren beschert wurden. Im März 1985 wurde vom Bundeskabinett das Grundkonzept für die Privatisierungs- und Beteiligungspolitik des Bundes verabschiedet. Unternehmen mit Bundesbeteiligung müssen in besonderer Weise darauf achten, daß ihr Verhalten nicht im Widerspruch zu den Anforderungen der Wettbewerbs- und Mittelstandspolitik steht. Alle Bundesbeteiligungen sind zu effizienter Wirtschaftsführung anzuhalten. Die Beteiligungsführung muß verstärkt privatwirtschaftlich orientiert werden. Soweit sich ein im Wettbewerb stehendes Bundesunternehmen in der Verlustzone befindet und Eigentümerhilfe erforderlich wird, ist sicherzustellen, daß die notwendigen strukturellen Anpassungen zügig eingeleitet und durchgeführt und daß die Hilfen des Bundes zeitlich begrenzt werden. Erstmals in der Geschichte des Beteiligungsbesitzes des Bundes hat die Regierung der Bundesrepublik Deutschland 1985 den Vorständen und Aufsichtsräten klare Orientierungen an die Hand gegeben. Bei der Verwaltung von Bundesbeteiligungen gehören die Diversifikationserfahrung, die klaren Vorgaben im Gesamtkonzept der Bundesregierung, die Sorgfalt bei der Zusammensetzung von Aufsichtsgremien und die erweiterte Abschlußprüfung nach dem Haushaltsgrundsätzegesetz zu den positiv wirkenden Faktoren. Die Abschlußprüfung hat sich für die Disziplin der Vorstände, die Tätigkeit der Aufsichtsräte und die Arbeit der Beteiligungsverwaltung als hilfreich erwiesen. Die erweiterte Abschlußprüfung sollte in der Privatwirtschaft Anwendung finden. Die Privatwirtschaft kann vom Kontrollsystem der Bundesbeteiligungen lernen.

Inhaltsverzeichnis – Band 19, Ausgabe 2

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Die steuerliche Behandlung freier Wohlfahrtsorganisationen in Italien
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Die Wertermittlung bei Ausübung konzessionsvertraglicher Übernahmerechte in der Energieversorgungswirtschaft
Hausmann, Andrea / Hoffjan, Andreas | 1996
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Gemeinwirtschaftliche Leistungen der Infrastruktursektoren in der EU
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Elektrizitätswirtschaft zwischen politischem Auftrag und unternehmerischem Eigeninteresse : die "Badische Landeselektrizitätsversorgung" in der Weimarer Republik
Stier, Bernhard | 1996
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Ordnungspolitische Aspekte des Information Highway-Konzeptes
Burr, Wolfgang | 1996
212
Zur Bedeutung und Interpretation des Gemeinwohlbegriffs in der Gegenwart : ein Diskussionsbeitrag zum gegenwärtigen Konsultationsprozeß der Evangelischen und der Katholischen Kirche in Deutschland
Engelhardt, Werner Wilhelm | 1996
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Kann die Privatwirtschaft vom Kontrollsystem der Bundesbeteiligungen lernen?
Knauss, Fritz | 1996
223
Zur Bestimmung der optimalen Investitionssumme bei kommunaler Freizeitinfrastruktur (am Beispiel von Schwimmbädern)
Machens, D. / Görg, H. | 1996