Ergebnisse einer Fragebogenstudie zur Leitlinienadhärenz der adjuvanten Therapieempfehlungen für Patienten mit nicht-muskelinvasivem Harnblasenkarzinom – nur ein beunruhigendes Streiflicht? (Deutsch)

In: Aktuelle Urologie   ;  47 ,  05  ;  408-413  ;  2016

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Hintergrund: Die EAU-Leitlinie zum nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinom (NMIBC) sieht eine Risikostratifizierung in niedriges, intermediäres und hohes Risiko anhand von Infiltrationstiefe, Grading, begleitendem Carcinoma in situ, Rezidivstatus, Fokalität und Tumorgröße vor. Ziel der hier vorliegenden Arbeit war die Erfassung der Leitlinienadhärenz hinsichtlich Risikostratifizierung und risikoadaptierter Therapieempfehlung bei NMIBC.

Material und Methoden: Eine über die urologischen Berufsverbände Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein verteilte E-Mail-gestützte Umfrage ermittelte zunächst Tätigkeitsbereich (ambulant vs. stationär) und das Vorhandensein der Zusatzbezeichnung Medikamentöse Tumortherapie (ZBmTT). Ebenso wurden die zur Risikostratifizierung bei NMIBC genutzten Hilfsmittel erfragt. Schließlich wurden 3 Befundszenarien, die 2-mal einem NMIBC mit hohem und einmal einem NMIBC mit intermediärem Risiko entsprachen, mit Bitte um Abgabe einer Therapieempfehlung aufgeführt. Die Ergebnisse wurden jeweils vergleichend für Tätigkeitsbereich (ambulant vs. stationär) und Vorhandensein der ZBmTT ausgewiesen.

Ergebnisse: 74 Antworten gingen ein (Rücklaufquote 12,3%). 57 (77,0%) der Antwortenden führten die ZBmTT. 52 (70,3%) arbeiteten in Niederlassung oder Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), 12 (16,2%) in einer urologischen Klinik, bei 10 (13,5%) fehlte diese Angabe. Als Hilfsmittel zur Risikostratifizierung wurde am häufigsten die EAU-Leitlinie verwendet. Dementsprechend wurden gemäß EAU-Leitlinie korrekte Therapieempfehlungen für die 3 Befundszenarien als richtig gewertet. Bei hohem Risiko wurden je nach Vergleichsgruppe durchschnittlich 29,3% (19,3–37,5%) adäquate Therapieempfehlungen abgegeben, durchschnittlich 69,8% (62,5–77,2%) bzw. 0,9% (0,0–3,9%) liefen auf eine Unter- bzw. Übertherapie hinaus. Die entsprechenden Werte bei intermediärem Risiko betrugen für adäquate Empfehlung, Untertherapie und Übertherapie 56,8% (52,6–62,5%), 43,2% (37,5–47,4%) und 0,0%. Tätigkeitsbereich und das Vorhandensein der ZBmTT hatten keinen signifikanten Einfluss auf die Richtigkeit der Therapieempfehlungen.

Schlussfolgerung: Die Umfrageergebnisse geben starke Hinweise auf eine schlechte Leitlinienadhärenz mit konsekutiver Untertherapie von Patienten mit NMIBC. Dem folgend bedürfte es gemeinsamer Anstrengungen aller an der Therapie des NMIBC Beteiligten zur Verbesserung der Versorgungsqualität.

Inhaltsverzeichnis – Band 47, Ausgabe 05

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