Berliner Appell für eine offene Wissenschaft an Entscheidende versendet

Fünf Handlungsempfehlungen, wie wissenschaftliche Einrichtungen dazu beitragen können, die Öffnung der Wissenschaft weiter voranzutreiben

Offene Wissenschaft (Open Science) ist ein Thema, das mittlerweile in Deutschland genauso wie auf EU-Ebene von politischen Entscheidungsträgern diskutiert wird, doch die Umsetzung in die Praxis hinkt weit hinterher. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben im Rahmen des 2016 von Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband initiierten Fellow-Programms Freies Wissen nach den Prinzipien der Offenen Wissenschaft gearbeitet und fünf Punkte formuliert, die in Politik und Forschung umgesetzt werden müssen, um die sich bietenden Vorteile ausschöpfen zu können: den Berliner Appell für eine Offene Wissenschaft. Ihre Forderung: Die Rahmenbedingungen für Offene Wissenschaft müssen weiter verbessert und der kulturelle Wandel hin zu mehr Offenheit in der Wissenschaft damit unterstützt werden. Nur so können die Möglichkeiten von Offener Wissenschaft voll ausgeschöpft werden und uns als Wissensgesellschaft weiter voran bringen.

Offen publizierte Forschungsergebnisse und Methoden beflügeln den wissenschaftlichen Austausch und können die Grundlage für neue Forschungsprojekte bilden. Das Innovationspotenzial für Wissenschaft und Wirtschaft ist enorm, doch in der Umsetzung ist Offene Wissenschaft noch längst nicht umfassend angekommen. Zehn Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlerinnen des Fellow-Programms Freies Wissen haben fünf Monate lang die Prinzipien Offener Wissenschaft erlernt und in ihrer eigenen Forschung angewendet. Gemeinsam mit ihren Mentorinnen und Mentoren haben sie zum Abschluss des Programms den Berliner Appell für eine Offene Wissenschaft formuliert. In Form von fünf Handlungsempfehlungen zeigen sie darin, wie wissenschaftliche Einrichtungen dazu beitragen können, die Öffnung der Wissenschaft weiter voranzutreiben und zu unterstützen:

Fünf Handlungsempfehlungen für Wissenschaftseinrichtungen

  1. Open Research Policy: Wissenschaftseinrichtungen sollten sich klar zu Offener Wissenschaft bekennen.
  2. Personelle Verankerung: Wissenschaftseinrichtungen sollten Verantwortliche für Offene Wissenschaft ernennen.
  3. Förderung durch Personalpolitik: Berufungskommissionen sollten eine offene Forschung und Lehre bereits in Ausschreibungen einfordern.
  4. Anerkennung in der Lehre: Wissenschaftseinrichtungen mit Lehrbetrieb sollten den Mehraufwand für Offene Wissenschaft honorieren.
  5. Anerkennung in der Forschung: offene Wissenschaftspraxis sollte durch Preise auf Fakultäts- oder Institutsebene (mit oder ohne Dotierung) honoriert werden.

Das Fellow-Programm Freies Wissen geht in die nächste Runde: Bewerbungen ab sofort möglich

Das 2016 initiierte Fellow-Programm Freies Wissen hat bereits in seinem ersten Jahr erfolgreich die Praxis wissenschaftlicher Forschung und Lehre mit den Möglichkeiten Offener Wissenschaft zusammengebracht. Der Berliner Appell ist ein wichtiger Baustein für die Zukunft. Um das Wissen und die Praxis zu Offener Wissenschaft weiter voranzubringen, haben auch 2017 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler verschiedener Fachdisziplinen die Chance, Offene Wissenschaft in ihrer Forschungspraxis auszuprobieren: Das Fellow-Programm Freies Wissen startet ab Herbst 2017 in eine neue Runde: Bewerbungen für die 20 Stipendien sind ab dem 9.Juni möglich. Gemeinsam mit Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband unterstützt die Volkswagen-Stiftung als neuer Partner das Programm in diesem Jahr.

Die Technische Informationsbibliothek (TIB) beteiligt sich als wissenschaftlicher Partner mit Qualifizierungsangeboten an dem Programm. Weitere Partner sind das Museum für Naturkunde Berlin, das Center für Digitale Systeme (CeDiS) der Freien Universität Berlin und die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB).

Weitere Informationen zum Fellow-Programm Freies Wissen: www.wikimedia.de/fellowprogramm