Drei Fragen an …

… Felix Saurbier, stellvertretender Leiter des Labs Nicht-textuelle Materialien an der TIB, zu den TIB Labs

Vor wenigen Wochen sind die TIB Labs gestartet. Im Interview mit Felix Saurbier, der als Projektleiter für die Umsetzung verantwortlich war, erfahren Sie mehr über diese neue Plattform.

Die TIB Labs sind seit Ende 2017 als virtueller Laborbereich unter labs.tib.eu online. Was ist das Besondere an dieser Plattform und wofür nutzt die TIB sie?

Das Besondere an den TIB Labs ist, dass hier experimentelle digitale Dienstleistungen, Prototypen und Beta-Versionen betrieben und präsentiert werden können, die sich noch nicht im Regelbetrieb befinden.

Felix Saurbier // Foto: A. Horstmann

Die TIB Labs schließen so die Lücke zwischen noch internen Entwicklungsprojekten und der regulären Bereitstellungen von digitalen Services. Zum einen kann die TIB auf diesem Weg Einblick in aktuelle Entwicklungsprojekte gewähren. Entstehende Dienste und neue Tools können in den TIB Labs frühzeitig erprobt und unter reellen Bedingungen getestet werden. Zum anderen eröffnet die Plattform strukturelle Freiräume für Experimente sowie das Sammeln von Erfahrungen mit neuen Technologien und fördert dadurch die kontinuierliche Optimierung und Erweiterung des TIB-Dienstleistungsportfolios.

Was testet und präsentiert die TIB dort im Moment?

Gestartet sind die TIB Labs Ende 2017 mit zwei ersten Prototypen:  dem Kooperationsprojekt IBlendIko mit dem Spiel „Lost in Antarctica“ und einem experimentellen „Linked Data Fragments Server“ für Online-Abfragen auf den Metadatenbestand des AV-Portals der TIB. Inzwischen umfasst das Angebot bereits neun Dienste und Tools aus allen Programmbereichen und Abteilungen der TIB. Darunter finden sich sowohl echte Eigenentwicklungen als auch individuelle Anpassungen und Erweiterungen existierender Softwarelösungen.

Mit „SlideWiki“ betreibt die TIB zum Beispiel eine eigene Plattform für die Bereitstellung offener Lehrmaterialen (sogenannter Open Educational Resources – OER), die derzeit im Rahmen eines EU-finanzierten Drittmittelprojektes entwickelt wird. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf der kollaborativen Erstellung, Bearbeitung und flexiblen Nachnutzung der gehosteten Materialien.

Zu den TIB Labs
Die TIB Labs zeigen experimentelle digitale Dienstleistungen, Prototypen und Beta-Versionen. // Foto: TIB

Daneben steht mit „Skosmos“ ein webbasiertes Tool zur Verfügung, das es erlaubt, kontrollierte Vokabulare und Thesauri aus verschiedensten Domänen zu veröffentlichen, zu durchsuchen und zu publizieren. Federführend ist dabei das Open Science Lab der TIB.

Ein weiterer spannender Prototyp und jüngstes Mitglied in den Labs ist „TIB Data Manager“. Die auf der Datenkatalog-Software CKAN (Comprehensive Knowledge Archive Network) basierende Anwendung ist ein Datenmanagementsystem für heterogene Datensammlungen und beinhaltet Vorschaufunktionen für unterschiedliche Forschungsdatentypen. So können zum Beispiel gespeicherte CAD-Daten mittels integrierter Viewer-Komponenten visualisiert werden. Der im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projektes entstehende Dienst NOA – eine Suchmaschine für nachnutzbare wissenschaftliche Abbildungen – erlaubt die Recherche nach Bildmaterialien aus qualitätsgesicherten Open Access-Zeitschriften.

Mit den TIB Labs gibt die TIB nicht nur einen Einblick in ihre Forschungsaktivitäten und Projekte, sondern erprobt auch gemeinsam mit Kundinnen und Kunden innovative Technologien und Dienstleistungen. Welche Idee steckt dahinter?

Hinter den TIB Labs steckt die Idee der sogenannten „Library Labs“. Die Idee selbst ist nicht neu und auch andere große Bibliotheken wie die Königliche Bibliothek der Niederlande oder die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft haben bereits eigene digitale „Labore“ eingerichtet, um neue und experimentelle Dienste zu betreiben. Dies hat vor allem damit zu tun, dass sich für Bibliotheken angesichts des digitalen Wandels ganz neue Herausforderungen, aber auch Chancen ergeben: die zunehmende Bedeutung von Forschungsdaten und wissenschaftlicher Software, die Open-Access- und Open-Science-Transformation sowie neue digitale Formen wissenschaftlichen Arbeitens. Bibliotheken betreiben vor diesem Hintergrund eigene Forschungs- und Entwicklungsprojekte und bauen innovative Informationsinfrastrukturen und Dienste für Forschung und Lehre auf. Darin fördern sie den Übergang zu einer digitalen, offenen und nachhaltigen Wissenschaft ganz wesentlich.

„Library Labs“ können diesen Übergangsprozess unterstützen, indem sie neue Freiräume für Experimente eröffnen und auf diesem Weg Innovationsprozesse anregen. Zugleich fördern sie auch die Offenheit und Transparenz der eigenen Forschungs- und Entwicklungsarbeit und erleichtern so die Vernetzung und Kollaboration mit Akteurinnen und Akteuren aus Wissenschaft und Forschung. Schließlich können im Rahmen von „Library Labs“ Nutzerinnen und Nutzer bereits frühzeitig in die Entwicklung neuer Dienste und Infrastrukturen eingebunden werden. Auf diesem Weg kann die TIB neue Technologien gemeinsam mit ihren Nutzerinnen und Nutzern erproben und neue Bedarfe frühzeitig identifizieren. Darin dienen „Library Labs“ insbesondere auch als Inkubatoren für neue bibliothekarische Dienstleistungen und Infrastrukturen.

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