Im Interview: Drei Fragen an …

... Prof. Dr. Ralph Ewerth, Leiter der Forschungsgruppe „Visual Analytics" an der TIB, zur 2nd Conference on Non-Textual Information

In dem Interview, das auch in der aktuellen Ausgabe der TIB-News erschienen ist, geht es um Software und ihre Stellung in der Wissenschaft.

Die TIB führt am 10. und 11. Mai 2017 die 2nd Conference on Non-Textual Information durch. Der Titel der Veranstaltung lautet „Software and Services for Science (S3)” – welche Themen erwarten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den beiden Tagen?

Es wird ein spannendes und vielfältiges Programm geben. Die Sessions adressieren mit diversen eingeladenen Vorträgen unter anderem Themen wie Nachhaltigkeit von Software-Infrastrukturen und Archivierung von Software, kollaborative Nutzung von neueren Web-Anwendungen wie zum Beispiel Jupyter Notebooks in der Wissenschaft, persistente Software-Zitation sowie rechtliche und praktische Fragestellungen mit hoher Relevanz für wissenschaftliche Software.

Porträtfoto von Prof. Dr. Ralph Ewerth
Prof. Dr. Ralph Ewerth, Leitung der Forschungsgruppe „Visual Analytics“ // Foto: TIB/EUROMEDIAHOUSE

Erfreulicherweise konnte zudem Edzer Pebesma, Professor für Geoinformatik an der Universität Münster, für einen Keynote-Vortrag gewonnen werden. Sein Vortrag wird sich mit Anreizen und Belohnungssystemen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Software entwickeln und bereitstellen, befassen: Warum stellen Forscherinnen und Forscher ihre Software zur Verfügung, wie wirkt es sich beziehungsweise wie sollte es sich auf deren Reputation auswirken? Außerdem wird in einer weiteren Session die Nutzung von dezentralen Datenbanken wie Blockchain diskutiert. Bislang erlangte Blockchain vor allem Berühmtheit als Basistechnologie für digitale Kryptowährungen – Stichwort Bitcoin. Es ist eine spannende Frage, wie solche Technologien in der Wissenschaft eingesetzt werden können.

Und nicht zuletzt können sich die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer am Abend des ersten Tages in lockerer Atmosphäre und in schönem Ambiente – im Alten Rathaus in Hannover – austauschen und neue Kontakte knüpfen.

Welche Bedeutung hat wissenschaftliche Software heute in der Wissenschaft und welche Entwicklungen konnte man dort in den vergangenen Jahren verfolgen?

Eine Entwicklung ist sicherlich, dass immer mehr Software als Open Source zur Verfügung gestellt wird. Viele Drittmittelgeber erwarten inzwischen von den geförderten Forscherinnen und Forschern, dass die im Rahmen solcher Projekte entstandene Software quelloffen zur Verfügung gestellt wird. Ein anderer Aspekt ist, dass auf Basis von frei zugänglicher Software (und von Forschungsdaten) die Reproduzierbarkeit von Forschungsergebnissen verbessert wird. In manchen Teilgebieten der Informatik wurde in der Vergangenheit zum Beispiel die Reproduzierbarkeit von Ergebnissen etwas vernachlässigt.

So sind im Bereich des Information Retrieval oder der Mustererkennung (Computer Vision etc.) Ergebnisse in der Regel von algorithmischen Parametern abhängig, die zum Teil oftmals gar nicht in einer Publikation erwähnt sind oder in einer „klassischen“ Publikation in dem notwendigen Detailgrad auch gar nicht darstellbar sind. Daher hat es in der jüngeren Vergangenheit bei Information-Retrieval-Konferenzen entsprechende Themenschwerpunkte gegeben, etwa den Workshop „Reproducibility, Inexplicability, and Generalizability of Results“ im Rahmen der ACM SIGIR (Conference on Research and Development in Information Retrieval) 2015 oder den „Reproducible IR Research Track“ auf der ECIR (European Conference on Information Retrieval) 2015.

Von der Vergangenheit nun zur Zukunft: Wohin geht die Entwicklung bei wissenschaftlicher Software und welche Rolle können dabei Infrastruktureinrichtungen wie die TIB übernehmen?

Die Bedeutung von offener wissenschaftlicher Software wird wahrscheinlich weiter zunehmen. Möglicherweise wird Software, wenn deren angemessene Zitation in der Breite noch üblicher wird, dann auch relevanter für die Reputation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden. Infrastruktureinrichtungen wie die TIB können in diesem Zusammenhang Technologien und Standards mitgestalten sowie entsprechende Dienstleistungen entwickeln und anbieten. Hierbei kann es sich um Suchtechnologien für wissenschaftliche Software handeln, die Verlinkung von entsprechenden Publikationen und Forschungsdaten, oder etwa um Lösungen zur persistenten Referenzierung von wissenschaftlicher Software.

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