Podiumsdiskussion: Wie offen ist unsere Wissenschaft?

Expertinnen und Experten diskutieren über Open Science in der Praxis

Wie können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Forschung offener gestalten? Ist Öffentlichkeitsarbeit ein integraler Bestandteil der offenen Wissenschaft? Am 15. Februar 2018 wurden diese und weitere Fragen im Zuge der abendlichen Podiumsdiskussion „Putting Open Science into practice“ in den Räumen der TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften kontrovers diskutiert. Außerdem gewährten die Teilnehmenden des FOSTER Book Sprints einen ersten Einblick in das Zwischenergebnis des Handbuchs, das in nur fünf Tagen entstanden ist.

Open Science ist einfach – aber es ist noch ein langer Weg

Moderiert von Dr. Christina Riesenweber, Open-Access-Beauftrage an der Freien Universität Berlin, sprachen die Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer über Lösungswege, wie Forschung noch offener und das Thema Open Science noch attraktiver gestaltet werden könnte.

Foto: TIB/C. Behrens

Verursacht Open Science mehr Arbeit? Nein – darüber waren sich die Expertinnen und Experten einig. Jedoch fügte Kerstin Helbig, Mitarbeiterin im Bereich Forschungsdatenmanagement an der Humboldt-Universität zu Berlin, hinzu: „Open Science verursacht nicht mehr Arbeit wenn man seine Forschungsdaten von Anfang an gut dokumentiert.“ Insgesamt sei es aber heutzutage mit Tools wie GitHub und arXiv sehr einfach, Forschungsdaten frei verfügbar zu veröffentlichen.

Forschende schrecken beim Thema Open Science laut der Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer nicht vor dem Aufwand zurück, sondern haben meist andere Motive, wie die Angst vor Duplikation oder einer geringeren Anerkennung. Hierfür hatte Vanessa Teckentrup, Doktorandin im Forschungsbereich Translationale Psychiatrie des Universitätsklinikums Tübingen, kein Verständnis. Ihr sei bis heute kein Fall von Duplikation im Zusammenhang mit Open Science bekannt. Die Wissenschaftlerin wechselte sogar ihr Promotionsprojekt, da sich ihr Betreuer strikt gegen Open Science geäußert hatte.

Benedikt Fecher // Foto: TIB/C. Behrens

Trotz der stetig wachsenden Community sei Open Science noch lange nicht überall Realität. Wie lässt sich das Thema attraktiver gestalten und die Bewegung dadurch vorantreiben? „Open Science müsste schon im Curriculum aufgenommen werden, sodass offenes Publizieren für Studierende schon von Anfang an zur Normalität wird“, so Benedikt Fecher, Programmleiter „Knowledge Dimension“ am Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft. Außerdem sollte mehr über Erfolgsgeschichten im Bereich Open Science berichtet werden, damit sich andere daran orientieren.

Was bedeutet „open“ wirklich? In einer kontroversen Diskussion ging es um die Frage, ob Forschungsergebnisse auch für die nicht-akademische Öffentlichkeit ohne Einschränkungen Open Access publiziert werden sollten. Prof. Dr. Dirk Ostwald, Juniorprofessor an der Freien Universität Berlin, hält die Öffentlichkeit für sehr wichtig, würde jedoch immer das Arbeitsfeld berücksichtigen, in dem Forschungsdaten veröffentlicht werden. Seiner Ansicht nach muss Open Science zielgruppenspezifisch kommuniziert werden. Diese Meinung stand der Überzeugung anderer Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer entgegen, die eine bedingungslose Publikation von Forschungsergebnissen unterstützen.

Bis in allen Bereichen Open Science gelebt wird – hier waren sich alle einig – sei es aber noch ein langer Weg.

Handbuch für Open Science Trainer

Im Rahmen des FOSTER Book Sprints wurde während der Abendveranstaltung auch der Zwischenstand des Handbuchs mit dem Titel „Handbook Open Science Training“ vorgestellt, das 14 Expertinnen und Expertinnen in nur fünf Tagen geschrieben haben.

Es handelt sich um ein Handbuch für Trainer, die Workshops zum Thema Open Science durchführen wollen. Anhand von praktischen Beispielen und Erfahrungsberichten werden Methoden gezeigt, mit denen Trainer einen interaktiven Workshop durchführen können. Mit dem Handbuch soll es möglich sein, sowohl eine Kurzeinführung in das Thema Open Science zu geben als auch einen vertiefenden Workshop zu dem Thema durchzuführen. Inzwischen wurde das Handbuch erfolgreich fertiggestellt und kann bis zum 4. März 2018 offen kommentiert werden.