Drei Fragen an …

… Lambert Heller, Leiter des Open Science Lab der TIB                                                                

 

Herr Heller, können Sie uns etwas mehr über sich erzählen und Ihre Aufgabe an der TIB erzählen?

 

Lambert HellerIch bin von Haus aus Sozialwissenschaftler. Dass Bibliotheken sozusagen im Auge des Sturms der Internet-Revolution sind, ist mir vor zehn Jahren aufgefallen, als ich über ein bibliothekarisches Weblog gestolpert war: netbib. Nach DFG-Projekten, bei denen ich an der ULB Münster mitgearbeitet hatte, bin ich dann endgültig ins Bibliothekswesen reingerutscht – mit einem Bibliotheksreferendariat in Berlin (praktischer Teil: Freie Universität Berlin, Theorie: Humboldt-Universität). In Berlin habe ich mit damaligen Kollegen die Veranstaltungsform „BibCamp“ entwickelt – und den Begriff „Bibliothek 2.0“. Letzteres war mehr ein Label, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, aber das hat gut geklappt – während meine circa 1.000 Artikel im netbib weblog quasi nur von Insidern gelesen worden waren.

 

Ich war happy, nach dem Referendariat an meinen langjährigen Studienort Hannover zurückkehren zu können, zunächst als Fachreferent. Vieles von dem, was ich in den fünf Jahren gemacht hatte, lag jenseits der klassischen Fachreferatsaufgaben: Unter anderem war ich beteiligt an der campusweiten Einführung des Literaturverwaltungsprogramms Citavi und eines passenden Informations- und Schulungsangebots. Von da ging es weiter zum Start der Open-Access-Aktivitäten an und mit der Leibniz Universität Hannover, also Open-Access-Tage, OA-Resolution des Präsidiums, DFG-geförderter Publikationsfonds etc. Vor einem Jahr fing für mich dann mit dem Open Science Lab der TIB etwas Neues an.

 

Das Open Science Lab gibt es seit Anfang 2013. Kurz und knapp: Was macht das Open Science Lab?

 

Wir sind ein kleines Team mit derzeit vier Personen und schauen uns an, was manche Forscher, die schon „in der Zukunft leben“, alles mit dem Netz anstellen. Wir fragen uns: Welche neuen Herausforderungen ergeben sich da? Wenn beispielsweise eine Forschergruppe vom Laborbuch über die Artikel-Rohfassung bis zur fertigen Publikation alles im Web macht – und damit größtenteils auch noch in aller Öffentlichkeit?

 

Es ist strategisch sehr wichtig, als große Bibliothek in solchen Herausforderungen auch die eigenen Zukunftsaufgaben zu entdecken. Konkretes Beispiel: Einen Prototyp für eine Online-Schreibumgebung bauen, bei der ich einen Fachartikel so schreiben kann, dass nicht nur der fertige Artikel zitierbar ist, sondern auch ein einzelner Absatz, den einer der Co-Autoren hinzugefügt hat. Und diesen einzelnen Absatz möchte ich dann auch noch in der Suchoberfläche meiner Bibliothek wiederfinden. Und der Forscher soll am besten auch noch diesen einzelnen Absatz in einer sinnvollen Weise seinem Lebenslauf hinzufügen können.

 

Bei den beiden größeren derzeitigen Projekten meines Teams geht es um genau solche Themen: Da ist zum einen die kollaborative Schreibumgebung für unseren Book Sprint und zum anderen ist da das freie, sehr weborientierte Forschungsinformationssystem VIVO. Vor allem in Bezug auf VIVO sind wir gerade aktiv dabei, Drittmittel einzuwerben. Sowohl zusammen mit internationalen als auch mit lokalen Partnern, wie dem Forschungszentrum L3S.

 

Das OSL nimmt in diesem Jahr mit dem Book Sprint #CoScience an der CeBIT teil. Was ist so einzigartig an diesem Projekt?

 

Book Sprints sind Workshops, die drei bis fünf Tage dauern. Eine kleine Gruppe eingeladener Experten schreibt in dieser Zeit in konzentrierter Atmosphäre ein ganzes Buch. Die Erfahrungen mit dieser Methode im Bereich von Software-Handbüchern waren so gut, dass mittlerweile große Unternehmen und Organisationen weltweit diese Methode anwenden. Wir machen das nun erstmals für ein wissenschaftliches Handbuch in deutscher Sprache – und zwar für ein Handbuch „Gemeinsam Forschen und Publizieren mit dem Netz“. Natürlich schreiben auch mehrere Kolleginnen und Kollegen aus der TIB sowie vom Leibniz-Forschungsverbund Science 2.0 daran mit.

 

Das Buch wird – wenn unser riskanter Plan aufgeht! – praktisch vollständig in der Woche vor der CeBIT 2014 geschrieben und dann am TIB-Stand auf der CeBIT (10. bis 14. März 2014) präsentiert. Auch dort sind Autorinnen und Autoren des Handbuchs dabei, führen im Rahmen des CeBIT Future Talk eine kleine Podiumsdiskussion und plaudern aus dem Nähkästchen der kollaborativen digitalen Wissenschaft. Was wir dort zeigen ist quasi gelebte Science 2.0.Das gedruckte, dann im Buchhandel erscheinende Buch präsentieren wir übrigens auch auf dem Bibliothekartag, im Juni 2014 in Bremen.

 

Mehr Informationen zum Open Sciene Lab der TIB.