TIB an interdisziplinärem Projekt zur digitalen Bildersuche beteiligt

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert gemeinsames Projekt von Universität Paderborn und TIB mit 500.000 Euro

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligte das Projekt „Aby gets digital: ARAby – ein adaptives Retrieval- und Analysetool zur Unterstützung bildorientierter Forschungsprozesse“ der Universität Paderborn und der Technischen Informationsbibliothek (TIB) im Rahmen der Förderlinie e-Research-Technologien. Das Drittmittelprojekt hat eine Laufzeit von drei Jahren und ein Gesamtfördervolumen von mehr als 500.000 Euro. Ziel von ARAby ist die Entwicklung eines computergestützten Recherchewerkzeugs zur besseren Auffindbarkeit von digitalen Bildern für die geisteswissenschaftliche Forschung.

Der Antrag des disziplinübergreifenden Verbundprojektes, in dem Fachleute aus Informatik und Kulturgeschichte zusammenarbeiten, wurde gemeinsam von Prof. Dr. Ralph Ewerth (Technische Informationsbibliothek und Leibniz Universität Hannover) sowie von Prof. Dr. Eyke Hüllermeier und Prof. Dr. Eva-Maria Seng von der Universität Paderborn gestellt. Bei ARAby geht es zum einen darum, die Methoden der Informatik und Techniken der digitalen Informationsverarbeitung zu nutzen, um kulturwissenschaftliche Phänomene zu untersuchen, zum anderen entstehen bei dieser Kooperation ganz neue Forschungsfelder, -fragen und -prozesse.

Initiiert wurde das Vorhaben von Prof. Dr. Eva-Maria Seng, Inhaberin des Lehrstuhls für Kulturerbe an der Universität Paderborn. Seit 2006 betreibt das dort am Lehrstuhl angesiedelte „Kompetenzzentrum für Kulturerbe: materiell – immateriell – digital“ ein modernes, digitales Bildarchiv mit mehr als 10.000 Abbildungen aus dem Bereich der Kunst- und Architekturgeschichte. Aufgrund der stetig steigenden Menge digitalen Bildmaterials entstand die Idee für eine automatisierte, computergestützte Recherche und Analyse großer Bildkorpora.

In dem Projekt „ARAby“ soll nun ein entsprechendes Instrument – ein sogenanntes e-Research-Tool – entwickelt werden, das große Bilddatenmengen im geisteswissenschaftlichen Forschungsprozess besser nutz- und auswertbar macht. Mit dem Tool soll die Bildrecherche in Datenbanken kulturellen Erbes optimiert und die Leistungsfähigkeit bestehender wissenschaftlicher Informationssysteme für den geisteswissenschaftlichen Forschungsprozess erhöht werden. Zwei Spezialisten aus der Informatik werden ihre Expertise auf den Gebieten des maschinellen Lernens, der intelligenten Datenanalyse und der Bildverarbeitung in das Projekt einbringen: Prof. Dr. Eyke Hüllermeier, Inhaber des Lehrstuhls Intelligente Systeme am Institut für Informatik der Universität Paderborn, und Prof. Dr. Ralph Ewerth, Leiter der Forschungsgruppe Visual Analytics an der Technischen Informationsbibliothek (TIB) „Unsere Aufgabe wird es sein, Algorithmen zur automatischen Klassifikation von Bildern aus dieser besonderen Domäne zu erforschen und zu entwickeln“, beschreibt Prof. Dr. Ralph Ewerth die Rolle der TIB.

Ausgangspunkt der Entwicklungsidee eines solchen Tools ist das von dem Kunsthistoriker Abraham Moritz Warburg (1866-1929), genannt Aby Warburg, Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte Verfahren des systematischen Bildvergleichs, das dieser bei der Zusammenstellung seines Mnemosyne Bilderatlas’ anwendete. Auf leinenbezogenen Holztafeln arrangierte Warburg damals Bildmaterial unterschiedlichster Art zur simultanen Zusammenschau. Durch den Vergleich erkannte Warburg in dem breiten Bild- und Materialfundus durch die Zeiten sich wiederholende Ähnlichkeiten und Unterschiede von formalen und inhaltlichen Gestaltungsmerkmalen (sogenannte Pathosformeln). Die entstandenen Bildmontagen waren Arbeitsmethode und Ergebnisdokumentation zugleich, vereinfachten das Überprüfen von Hypothesen und führten zu neuen Fragestellungen. Das Tool ARAby soll das Verfahren Warburgs im Digitalen weiterführen und mit Hilfe von Technologien der Informationswissenschaft erweitern.